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Unter einem Dach






Brigitte Talhofer-2Brigitte Talhofer, 73
„Mein Mann und ich pflegen noch Brief- und Postkartenfreundschaften. Zum Beispiel mit einer Ferienbekanntschaft, die wir schon seit 1969 kennen – da waren wir das erste Mal in Ehrwald in Österreich. Die Familie hatte auch Buben im Alter von unseren Kindern. Die haben sich gut verstanden und wir haben uns dann immer wieder getroffen. Noch heute sind wir befreundet, schreiben uns Karten zu Weihnachten, Ostern und Geburtstagen. Wenn wir sie besuchen, ist das immer ein großes Hallo. Ich besuche Freunde sowieso am liebsten persönlich oder telefoniere mit ihnen. Das Handy brauche ich nur für den Notfall, falls wir mal mit dem Auto irgendwo liegen bleiben zum Beispiel. Ich habe nichts dagegen, wenn die Kinder beim Essen ihr Handy auf den Tisch legen – solange sie nicht daran rumspielen. Sie sollen ja essen.“

Heike Schwander-2Heike Schwander, 47
„Ich muss leider zugeben, dass ich mit Freunden und Bekannten zunehmend nur noch über WhatsApp kommuniziere und gar nicht mehr so viel übers Telefon wie früher mal. Aber Facebook benutze ich gar nicht, das möchte ich nicht haben. Da hört man einfach zu viel Schlechtes. Wenn ich unterwegs bin und Kinder reden höre, finde ich die unvollständigen Sätze ganz schlimm. Damit komme ich überhaupt nicht klar. Das hat sicher auch etwas mit dem Chatten zu tun, weil man versucht, sich so kurz wie möglich zu halten. Dadurch wird viel abgekürzt oder Wörter und Artikel werden vergessen, die so einen Satz vollständig machen. Mein Mann und ich, wir erzählen uns immer noch abends beim Essen, was am Tag so gelaufen ist. Diese Unterhaltung wird bei uns gepflegt und ich lege auch Wert darauf, dass das weiterhin so passiert.“

Yannick Schwander-2Yannick Schwander, 25
„Für mich geht Kommunikation ohne Handy gar nicht mehr. Ich brauche es beruflich, aber auch privat. Und es gibt Zeiten, da schaue ich alle halbe Minute drauf. Was ich an WhatsApp und Facebook mag, ist, dass man ständig erreichbar ist für die Leute, für die man erreichbar sein will. Mit meiner Freundin schreibe ich eigentlich nicht nur stündlich, sondern fast minütlich – vor allem, wenn wir beide den ganzen Tag arbeiten. Wir haben uns abends trotzdem noch etwas zu erzählen. Und gerade wenn man weiß, es geht einem nicht gut, dann kann man darauf schon reagieren. Das ist echt ein Vorteil. Ich fühle mich als Bindeglied zwischen den Generationen. Tabea und Noah kennen eine Welt ohne Internet und ohne Handy gar nicht. Ich habe das schon noch erlebt und kann auch meine Eltern verstehen, die sagen ,Früher ging es auch ohne‘.“

Noah Reitmeier-2Noah Reitmeier, 14
„Ein Leben ohne Handy kann ich mir nur schwer vorstellen, das muss ich zugeben. Aber ich hätte sehr gerne auch Facebook, weil man da mit noch mehr Freunden schreiben kann. Die meisten meiner Freunde löschen zum Beispiel WhatsApp, weil sie Facebook besser finden. Mit den Freunden kann ich dann nicht mehr schreiben, deshalb wollte ich zusätzlich noch Facebook. Ich versuche immer, meine Mutter zu überreden, aber sie erlaubt es nicht. Sie denkt, ich bin noch zu jung und meine Daten sind nicht sicher. Da streite ich mich manchmal auch mit ihr und sage ,Wenn ich 18 bin, hole ich mir Facebook, dann kannst du es mir nicht mehr verbieten‘.“

Tabea Reitmeier-2Tabea Reitmeier, 11
„Ich habe mir mein Handy letztes Jahr selbst gekauft vom Weihnachtsgeld. Am liebsten spiele ich darauf oder schreibe mit meinen Freunden. Um 20 Uhr müssen wir unsere Handys ausmachen und am Tisch dürfen wir auch kein Handy haben. Ich finde die Regel schon gut, dann kann man sich mehr mit der Familie unterhalten. Ich könnte mir das Leben ohne Handy schon vorstellen. Man hat ja auch noch das Telefon zum Telefonieren. Da braucht man eigentlich nicht dringend das Handy. In der Schule sind Handys nicht erlaubt, und wenn wir nach dem Unterricht vom Schulgelände runter sind, nehmen meine Freundinnen immer sofort ihr Handy und schauen drauf. Ich mache das immer erst an der Bahn- oder Bushaltestelle. Dann kann ich mich vorher mit meinen Freunden unterhalten.“

In: Sehen